Der Wecker klingelt montags ganz besonders unerbittlich. Es ist erstaunlich, wie schnell man sich an diese besonderen Arbeitszeiten gewöhnt; früher war sie noch um halb Acht im Büro, heute findet sie es unerträglich, dann aufstehen zu müssen. Die mannsgrosse Anhäufung Decke neben ihr murmelt etwas Schadenfreudiges. Für einen kurzen, neidischen Moment hasst sie ihn.
Sie stolpert ins Bad, besinnt sich, stellt den Boiler auf ‘brühend heiss’ und nimmt eine ebensolche Dusche, wie üblich den ganzen Badezimmerboden überschwemmend. Nicht, weil es ihr egal ist, sondern weil es nicht anders geht. Im Kühlschrank steht ein kalter Kaffee, eine lokale Unart, die sie sich längst angewöhnt hat. Sie setzt sich auf das Bett, während sie ihn trinkt und lässt, leise genug um den schadenfreudigen Deckenhaufen nicht zu wecken, aufmunternde Musik laufen.
Den beigen Mantel fest zugeknöpft – 6 Grad als bitterkalt zu empfinden ist wohl auch eine Gewohnheitssache – die Kopfhörer des iPod fest in den Ohren, geht sie festen Schrittes die zehn Minuten ins Büro, mit einem kleinen Zwischenstop bei Tully’s, wo sie die Bestellung (eines heissen Kaffees!) nicht einmal mehr sagen muss.
Auf ihrem Schreibtisch häufen sich die Dossiers, die geprüft werden müssen. Im Outlook sind einige verstörende Nachrichten, auf die reagiert werden muss. Ein Meeting steht an um elf, welches die grundsätzlichen Fragen der Luftfracht zu klären versucht, was wie üblich durch die Diskussion völliger Banalitäten vereitelt wird. Um halb eins geht es mit Sakurako zum Inder für köstliches Curry und die tatsächliche Klärung der eben verpassten Grundsätze.
Der Nachmittag beginnt, wie immer Montags, mit einer IT-Sitzung, während welcher sie sich über gewisse Teilnehmer aufregt, welche nach halbstündigen Erklärungen immer wieder die gleich am Anfang geklärten Fragen noch einmal stellen. Danach geht es einmal kurz um den Block mit dem Managing Director, rauchend, informell den Status des Projektes austauschend. Meeting Minutes schreiben und veröffentlichen. Eine kurze Tour durch das sechste Stockwerk, quasi der Produktionswerkstätte, wo jeder sein Leid zu klagen vermag und sie gleich noch ein paar Aufgaben mitnehmen kann.
Nach ein paar kurzen Sehnsuchtsanrufen in der Schweiz, widmet sie sich den eben gefassten Aufgaben, den restlichen Aufräumarbeiten und der Aufstellung von Meetings für den nächsten Tag. Um sieben werden die Sachen gepackt, einige Arbeitsfreunde aufgescheucht und durch die Gassen hinter dem Büro geschleift, wo man in gemütlichem Rahmen einige Bier und japanische Köstlichkeiten verschlingt, bevor sie sich, hoffentlich bevor gewisse Leute über die Mentalität von Delfinen zu reden beginnen, nach Hause begibt.
Der Deckenhaufen ist bei der Arbeit, hinterliess aber ein feinsäuberlich gemachtes Bett mit auf das Kissen gesetzten williamsgefüllten Schokolädchen (wohl aber nur, weil das die einzigen aus der Liquer Selectionspackung sind, die er nicht mag). Sie setzt sich im Schneidersitz auf das Bett von den Computer, arbeitet noch etwas an ihren Plänen für das Luftfrachtsystem, während im Hintergrund gemütlich die Musik plätschert.