Aufjoljagd: letzter Tag

•April 15, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Erst wollte ich nicht bis Mittags im Bett liegen. Doch dann wurde mir bewusst, dass ich mich zwischen einem langen Tag und einer langen Nacht würde entscheiden müssen und das war eine einfache Entscheidung.

Ich stieg also erst vor halb eins aus meinem Hotelbett, machte mich dann aber rassig auf den Weg zum Ueno Park, wo ich Aufnahmen eines ganz japanischen Spektakels machte.

Faszinierend sind nicht nur die Kirschblüten, sondern auch die Tatsache, dass es an einem ganz normalen Donnerstag Nachmittag so viele Leute hierher zieht. Die blauen Plastikplanen, auf welchen das Picknick unter den Kirschblüten ‘Hanami’ begangen wird, werden von einem Mitglied der jeweiligen Hanamigruppe meist schon seit dem Morgengrauen reserviert.

Glücklicherweise machte dies jemand anderes, am Abend traf ich nämlich noch einmal ein paar meiner Arbeitskollegen zum Hanami im Shiba Park.

Es war grossartig; unter den Kirschbäumen sitzend assen wir, tranken Sake und Bier, amüsierten uns über die leicht und schwer angetrunkenen Nachbarn auf allen Seiten und verabschiedeten uns dann mit nur ganz wenigen Tränen.

Ich setzte mich kurz vor halb zehn in ein Taxi nach Roppongi zur Train Bar, wo ich meine Freunde zur letzten Nacht treffen würde.

Aufholjagd: zwei Tage vor Abflug

•April 15, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Nachdem ich am Dienstag bis um drei meine Wohnung zusammenpackte – die schlechte Organisation liegt in diesem Fall an einem ganz anderen Ort als man sich spontan denken könnte! -, schleppte ich meinen gesammten Haushalt morgens um neun auf die Strasse, schloss hektisch die Wohnungstür hinter mir und verliess zum letzten Mal, schwer beladen und leise fluchend, das B-Site Shiba Koen. Ich checkte ins Hotel ein und traf eine halbe Stunde zu spät, bereits völlig am Ende im Büro ein.

Dem hektischen letzten Tag im Büro folgte eine grosse Überraschung; dass man mir eine Sayonaraparty schmeissen würde, hatte man mir ja gesagt, dass aber da zwanzig Leute in diesem Sitzungszimmer stehen und applaudieren würden, damit hatte ich nicht gerechnet. Es war rührend und ein bisschen peinlich, die ganze Aufmerksamkeit, aber ich habe es sehr genossen.

Wir liessen den Abend erst aufleben bei Apero und Bier, gingen dann leckeres koreanisches BBQ essen und endeten im Geronimo, das meine armen Kollegen am nächsten Tag verfluchen würden.

Es war ein würdiger letzter Arbeitstag. Vielen Dank an Andreas für die tolle Abschiedsparty!

Aufholjagd

•April 15, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Morgen sind es zwei Wochen seit meiner Ankunft in der Schweiz. Und ich habe noch immer nicht meine letzten Tage in Tokyo kommentiert.

Die letzten vierzehn Tage verbrachte ich an einem seltsamen Ort zwischen Schlaf und Wach, zwischen Planung und Erinnerung, zwischen Kulturschock und Verdrängung. Es ist, als wäre ich aus einem intensiven Traum aufgewacht.

Ich erkläre nun aber den Trübsal für beendet und mache mich endlich daran, die 2750 Fotos, 147 Minuten Film und auf zwanzig Seiten und Schnipseln Papier festgehaltenen Berichte der letzten Tage zu be- und verarbeiten. Möge die Aufholjagd beginnen.

Der letzte macht das Licht aus

•März 30, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Morgen ziehe ich aus. Aus B-Site Shiba Koen, meinem Apartmentgebäude, und aus Shiba Mita Mori, unserem Bürohaus. Und anstatt panisch zu arbeiten und/oder zu packen sitze ich hier und schreibe. Gute, alte Verdrängung…

Frühlingsgefühle

•März 27, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Langsam wird es eng! Ich habe also die Kirschblüten zur Eile angetrieben und – siehe da! – es hat funktioniert! Seit gestern blühen Kirschen und Äpfel an jeder Strassenecke, dass es eine Freude ist.

Ab heute lasse ich euch also gerne an den Ergebnissen meines Blossom Scoutings teilhaben:

Letzter Besuch in Osaka

•März 25, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

"Curryudoooon"

The Apcogirls

Der Anfang vom Ende

•März 25, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Die Endphase ist eingeläutet.

Gleis 0 - grossartig!

Es ist alles so surreal. Ich plane Abschiedsparties, habe Übergabemeetings, die letzten zwei Tage verbrachte ich zum letzten Mal in Osaka und beendete den Trip mit meiner letzten Fahrt im Shinkansen. Mein Reference Letter wird aufgesetzt. Ich plane, Souvenirs zu kaufen. Schwitze über dem Übergewicht meiner Koffer.

Ich habe so lange so getan, als würde dieser Tag nie kommen. Und nun sage ich zu oft ‘next week’, als dass ich es noch länger leugnen könnte. Ach, das Ganze hier wird mir fehlen!
Aber genug des Überdrusses – erst einmal wird gefeiert!

Dieser Baka Gaijin zerstört sich in 5 Sekunden selbst

•März 18, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Die Ausländerin hat die neue, schicke Sonnenbrille montiert, den iPod mit Nightmares on Wax bestückt und sich auf den Weg in die Mittagspause zu Hause gemacht. Erst als die Zigarette an ihr Ende kam, fiel ihr auf, dass sie den portablen Aschenbecher zu Hause vergessen hatte; als brave Tokyoterin drückte sie also die Zigarette auf dem Boden aus und verstaute sie im Natelfach ihrer schmucken Guess-Handtasche.

Der Weg nach Hause führt durch kleine Gässchen, wo sie als Ausländerin auffällt. Die Blicke irritieren sie nicht mehr – man gewöhnt sich daran zu wissen, dass die Leute ‘Baka Gaijin’ denken, wenn man an ihnen vorbei geht. Die Gerüche irritieren auch nicht mehr: roher Fisch und irgendwo im Verborgenen räuchelt scheinbar ein penetranter Yakitorigrill.

Erst als sie den Supermarkt betritt und der penetrante Grillgeruch weiterhin in ihrer Nase bleibt blickt sie sich um und sieht, wie eine kleine Rauchfahne aus ihrer Handtasche aufsteigt, wo das Natelseitenfach gemütlich schmürzelt. Flux greift sie sich Natel, Feuerzeug und iPod, öffnet eine flasche Wasser aus dem Kühlfach und schüttet es über die Handtasche. Dann packt sie alles in einen Plastiksack und geht zur Kasse.

Baka Gaijins und ihre seltsame Mode!

Touristenführer

•März 15, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Als Abschlussprüfung meines Tokyostudiums betätige ich mich zur Zeit als Touristenführer für Ed und Virginia. Natürlich ist mein Fachgebiet noch immer der klassische Tourismus und das Nachleben, man muss den beiden aber auch lassen, dass sie sich in den Bars von Roppongi genauso gut halten wie im Shinkansen und auf Stadttouren im Bus.

Dieses Wochenende verbrachten wir zusammen in den ehemaligen Hauptstädten Kyoto und Nara, wo ich den Luxus genoss, zeitweise ebenfalls Tourist sein zu dürfen (dann aber noch immer als Übersetzerin fungierte, was nicht immer ganz gelang. Wie zum Beispiel beim Taxifahrer in Kyoto, den ich bat uns zum nächsten Pub zu bringen, der uns dann aber in einem Backpacker unterzubringen versuchte [dass wir scheinbar wie Backpacker aussehen beschäftigte uns noch lange!]).

Nach Ankunft am Bahnhof Kyoto liessen wir uns direkt zum Ryokan bringen und marschierten von da aus direkt zum alten Kaiserpalast, respektive zum Park darum, da man für den Besuch im Palast eine Bewilligung vom Tourismusbüro benötigt (die wir selbstverständlich nicht hatten). Der Spaziergang durch diesen Park regt Tagträumereien an; man kann sich gut vorstellen, wie hier einst der Palastalltag auf den breiten Kieswegen zwischen den Palästen wuselte.

Von da aus ging es direkt zum goldenen Pavillon, welchen ich bereits mit Martin besucht hatte. Danach waren wir ziemlich knibbe und legten uns im Ryokan für ein Stündchen auf den Boden, bevor wir weiterzogen.

Auf den Frühling, also vor allem auf Sakura hin, bieten viele Städte nächtliche Beleuchtung der schönsten Tempel an. Bis Sakura dauert es zwar noch zwei Wochen, beim Shoren-in legten sie mit der Beleuchtung allerdings schon dieses Wochenende los. Besonders schön war dies beim Bamboo Grove hinter dem Tempel.

Am Sonntagmorgen setzten wir uns gleich in den Zug nach Nara, welches 40 Minuten von Kyoto entfernt liegt. Besonders an dieser Stadt ist der Park, welcher etwa die Hälfte des gesamten Stadtgebietes umfasst und in welchem über 1000 zahme Rehe leben. Kaum hat man Futter für diese Rehe gekauft, wird man von ihnen auch schon umringt und gewaltsam zur Herausgabe gezwungen – ich habe heute noch rotblaue Bissspuren an den Beinen.

Alles in Allem war es ein kurzweiliges, actionreiches Wochenende! Und ich habe, finde ich, den Grossteil meiner touristischen Verpflichtungen in Japan erledigt und kann reinen Gewissens nach Hause reisen…

Stitch im Rehkostüm - japanischer geht's nicht!

p.s. Schock! Gerade lese ich, dass eines der Rehe im Nara-Park am Samstag erschossen wurde. Furchtbar!

Die Welt dreht sich…

•März 10, 2010 • Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe mich eingedeckt. Mit guten, alten Freunden. Mit Sake. Mit altbekannter Umgebung. Mit lang vermissten Leckereien und Banalitäten. Ich habe geschwelgt und genossen.

Ich habe es nicht fertig gebracht, in meinem Schlafzimmer zu übernachten. Stattdessen habe ich auf dem Boden im Büro geschlafen und die Züge vor dem Schlafzimmerfenster vermisst.

Der Bus fährt immernoch zur selben Zeit am selben Ort, aber eine zusätzliche Haltestelle wurde eingefügt (war ich wirklich so lange weg?) und warum fährt der denn eigentlich rechts? Jubelnd gehe ich durch die Migros, am frischen, bezahlbaren Gemüse vorbei, durch Reihen bekannter Pflegemittel und Shampoos, und dann, in Ehrfurcht erstarrt, vor das Brotsortiment. Oh, Brot!

Die Welt ist noch dieselbe, aber der Blickwinkel hat sich so verändert, dass sie furchtbar verzerrt aussieht. Und egal. wie sehr ich auch die Augen zusammenkneife, meinen Kopf neige, mich drehe und wende, ich scheine sie nicht mehr so sehen zu können wie vor einem halben Jahr.

Es war wirklich schön, mit meinen guten alten Freunden zusammen sein zu können! Es ist aber auch schön, wieder in ‘mein’ Tokyo zurückkehren zu dürfen.

 
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