Touristenführer
Als Abschlussprüfung meines Tokyostudiums betätige ich mich zur Zeit als Touristenführer für Ed und Virginia. Natürlich ist mein Fachgebiet noch immer der klassische Tourismus und das Nachleben, man muss den beiden aber auch lassen, dass sie sich in den Bars von Roppongi genauso gut halten wie im Shinkansen und auf Stadttouren im Bus.
Dieses Wochenende verbrachten wir zusammen in den ehemaligen Hauptstädten Kyoto und Nara, wo ich den Luxus genoss, zeitweise ebenfalls Tourist sein zu dürfen (dann aber noch immer als Übersetzerin fungierte, was nicht immer ganz gelang. Wie zum Beispiel beim Taxifahrer in Kyoto, den ich bat uns zum nächsten Pub zu bringen, der uns dann aber in einem Backpacker unterzubringen versuchte [dass wir scheinbar wie Backpacker aussehen beschäftigte uns noch lange!]).
Nach Ankunft am Bahnhof Kyoto liessen wir uns direkt zum Ryokan bringen und marschierten von da aus direkt zum alten Kaiserpalast, respektive zum Park darum, da man für den Besuch im Palast eine Bewilligung vom Tourismusbüro benötigt (die wir selbstverständlich nicht hatten). Der Spaziergang durch diesen Park regt Tagträumereien an; man kann sich gut vorstellen, wie hier einst der Palastalltag auf den breiten Kieswegen zwischen den Palästen wuselte.
Von da aus ging es direkt zum goldenen Pavillon, welchen ich bereits mit Martin besucht hatte. Danach waren wir ziemlich knibbe und legten uns im Ryokan für ein Stündchen auf den Boden, bevor wir weiterzogen.
Auf den Frühling, also vor allem auf Sakura hin, bieten viele Städte nächtliche Beleuchtung der schönsten Tempel an. Bis Sakura dauert es zwar noch zwei Wochen, beim Shoren-in legten sie mit der Beleuchtung allerdings schon dieses Wochenende los. Besonders schön war dies beim Bamboo Grove hinter dem Tempel.
Am Sonntagmorgen setzten wir uns gleich in den Zug nach Nara, welches 40 Minuten von Kyoto entfernt liegt. Besonders an dieser Stadt ist der Park, welcher etwa die Hälfte des gesamten Stadtgebietes umfasst und in welchem über 1000 zahme Rehe leben. Kaum hat man Futter für diese Rehe gekauft, wird man von ihnen auch schon umringt und gewaltsam zur Herausgabe gezwungen – ich habe heute noch rotblaue Bissspuren an den Beinen.
Alles in Allem war es ein kurzweiliges, actionreiches Wochenende! Und ich habe, finde ich, den Grossteil meiner touristischen Verpflichtungen in Japan erledigt und kann reinen Gewissens nach Hause reisen…
p.s. Schock! Gerade lese ich, dass eines der Rehe im Nara-Park am Samstag erschossen wurde. Furchtbar!







